Einnahmen Einnahmen-Reformen

Ermäßigten MwSt-Satz komplett abschaffen — 19% auf alles (Fuest/ifo, inkl. Sozialgutscheine)

Fiskalischer Effekt: +36,0 Mrd. € / Jahr

Vorschlag von ifo-Präsident Clemens Fuest (August 2026, gegenüber Bild): Der ermäßigte Mehrwertsteuer-Satz (MwSt) von 7% wird komplett abgeschafft — alle Produkte einheitlich mit 19% besteuert. Betroffen wären rund 18% des Warenkorbs im Verbraucherpreisindex: Lebensmittel, Nahverkehrstickets, Restaurants, Theater, Museen, Sportveranstaltungen. Brutto-Mehreinnahmen: 43,5 Mrd. €/Jahr. Zum sozialen Ausgleich schlägt Fuest jährliche Gutschriften von 360 € pro Haushalt für Geringverdiener vor — Kosten dafür: 7,2 Mrd. €. Netto-Mehreinnahmen für den Staat: über 36 Mrd. €/Jahr. Preiswirkung: Lebensmittel könnten bei voller Weitergabe um bis zu 12% teurer werden (Fuest rechnet mit weniger, da Unternehmen die Steuer nicht voll durchreichen könnten). Kritik des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW): „Ärmere Haushalte werden relativ zu ihrem Einkommen deutlich stärker belastet als reiche." Eine vierköpfige Familie mit geringem Einkommen trüge monatliche Mehrkosten von 45-67 € — jährlich 500-800 € —, die der 360-€-Ausgleich nicht vollständig deckt. Politische Einordnung: konservativ-marktliberaler Reformvorschlag, gegenläufig zu progressiven Umverteilungsvorschlägen (Vermögensteuer, Übergewinnsteuer, Milliardärssteuer) — steht in einem klassischen Spannungsverhältnis zwischen Effizienz-Argument (einheitliche Steuer, weniger Bürokratie) und Verteilungsgerechtigkeit (regressive Belastung der Ärmsten). Schließt sich gegenseitig mit der selektiven Netzwerk-Variante (nur Fleisch/Süßigkeiten) sowie mit der Rücknahme des Gastro-Satzes aus, da beide bereits in den 43,5 Mrd. € enthalten sind.

Quelle: zeit.de